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Perimenopause & Lust: Die Wechseljahre sind nicht das Aus für Sex

  • vor 2 Tagen
  • 7 Min. Lesezeit


Was sich in dieser Lebensphase verändern kann

Spoiler: Deine Sexualität hat kein Ablaufdatum.


Wenn über Perimenopause und Menopause gesprochen wird, entsteht schnell ein Bild von Hitzewallungen, Schlafproblemen – und einer Libido, die sich irgendwann einfach verabschiedet. Als wäre das Ende der fruchtbaren Lebensphase gleichzeitig das Ende von Lust, Sex und Erotik. Das ist Quatsch.


Ja. Die (Peri-)Menopause kann (körperliche) Veränderungen mit sich bringen. Dein Körper kann anders auf sexuelle Reize reagieren, Erregung kann länger dauern, der Orgasmus kann sich verändern und manche Menschen erleben weniger Lust. Schlafprobleme alleine können deine Libido schon gänzlich zum erliegen bringen.


Aber das bedeutet nicht, dass deine Sexualität automatisch vorbei ist. Außerdem könntest du auch zu den glücklichen knapp 30% gehören, die diese Veränderung ohne schwere Symptome erleben.



Was passiert in der Perimenopause eigentlich?


Die Perimenopause ist die Übergangsphase vor der Menopause. In dieser Zeit verändert sich die hormonelle Situation und die Hormonspiegel können stärker schwanken.

Das kann sich körperlich und emotional bemerkbar machen.

Zum Beispiel durch:

  • Veränderungen der Libido

  • veränderte Erregbarkeit

  • längere Zeit bis zur sexuellen Erregung

  • Veränderungen des Orgasmuserlebens

  • Verdünnung der Vaginalwände (oder)

  • vaginale Trockenheit (und dadurch)

  • Schmerzen beim Sex

  • Schlafprobleme

  • Hitzewallungen

  • Stimmungsschwankungen

  • Erschöpfung

  • Orthopädische Schmerzen


Aber es kann auch ganz anders verlaufen, denn oft erleben Menschen genau in dieser Lebensphase auch: Mehr Lust, mehr Lubrikation, mehr sexuelle Freiheit, mehr Wohlfühlen im eigenen Körper, mehr finanzielle Sicherheit, plötzlich kinder-freies Haus und Zeit für sich, mehr Selbstwirksamkeit.



Denn hier kommt der wichtige Punkt:

Deine Sexualität besteht nicht nur aus Hormonen.

Hormone sind ein Teil des Puzzles – nicht das gesamte Bild.

Wie du Lust erlebst, hängt von sehr vielen Faktoren ab: deinem Körper, deinem Nervensystem, deinem Stresslevel, deinem Schlaf, deinen Erfahrungen, deinem Selbstbild, deiner Beziehung, deinen sexuellen Gewohnheiten und davon, wie viel Raum Sexualität in deinem Leben überhaupt bekommt. Deshalb ist die Frage „Wie bekomme ich meine Hormone wieder in Ordnung?“ manchmal zu kurz gegriffen.

Eine mindestens genauso interessante Frage ist: „Was braucht meine Sexualität gerade?“



„Meine Libido ist weg“ – oder hat sich etwas verändert?

Vielleicht bemerkst du plötzlich: „Ich habe nicht mehr so oft Lust wie früher.“

Oder: „Ich werde nicht mehr so schnell erregt.“

Oder: „Früher hat das funktioniert, heute irgendwie nicht mehr.“

Das kann verunsichern. Besonders dann, wenn du gelernt hast, dass sexuelle Lust spontan auftauchen sollte. Aber Lust funktioniert nicht bei allen Menschen gleich – und auch bei einer einzelnen Person muss sie nicht ein Leben lang gleich funktionieren.

Es ist eine Veränderung, die du kennenlernen darfst.



Lust muss nicht immer spontan auftauchen

Ein hartnäckiger Mythos über Sexualität lautet:

Erst kommt die Lust, dann der Sex.

In Wirklichkeit kann Lust auch anders entstehen.

Manche Menschen erleben häufig spontane Lust: Ein sexueller Gedanke taucht auf und plötzlich ist das Bedürfnis nach Sex da.

Andere erleben Lust eher reaktiv: Erst entsteht Nähe, Berührung oder Erregung – und daraus entwickelt sich Lust.

Beides kann völlig normal sein.

Gerade in der Perimenopause kann es hilfreich sein, nicht darauf zu warten, dass Lust plötzlich von alleine auftaucht.

Das bedeutet nicht, dass du dich zu Sex überreden sollst.

Ganz im Gegenteil.

Es geht darum, neugierig herauszufinden:

Unter welchen Bedingungen entsteht meine Lust heute?




Was ist mit dem Orgasmus?

Auch der Orgasmus kann sich in der Perimenopause verändern.

Vielleicht brauchst du länger.

Vielleicht funktioniert eine Stimulation, die früher zuverlässig funktioniert hat, plötzlich nicht mehr genauso.

Vielleicht fühlt sich der Orgasmus anders an.

Oder du erreichst ihn gerade überhaupt nicht.

Auch hier gilt:

Veränderung bedeutet nicht automatisch Verlust.

Sexuelle Reaktionen verändern sich im Laufe des Lebens.

Und vielleicht braucht dein Körper heute etwas anderes als früher.

Das kann eine Einladung sein, die eigene Sexualität neu zu entdecken, statt verzweifelt zu versuchen, eine frühere Version davon wiederherzustellen.




Nein, du bist nicht „zu kompliziert“

Rund um weibliche Sexualität hält sich ein besonders hartnäckiger Mythos:

Dass weibliche Sexualität grundsätzlich kompliziert, empfindlich oder hormonell schwer vorhersehbar sei. Diese Vorstellung ist nicht nur nervig. Sie kann auch Schaden anrichten.

Denn wenn wir Sexualität ständig als kompliziertes Problem des weiblichen Körpers darstellen, geraten die tatsächlichen Einflussfaktoren aus dem Blick:

Stress.

Schlaf.

Beziehung.

Körperbild.

Leistungsdruck.

Sexuelle Kommunikation.

Erfahrungen.

Medikamente.

Schmerzen.

Gesundheit.

Und natürlich auch hormonelle Veränderungen.

Sexualität ist komplex – aber das ist nicht dasselbe wie „weibliche Sexualität ist kompliziert“.




Wenn Sex plötzlich weh tut

Ein Thema, das in Gesprächen über Perimenopause und Sexualität viel mehr Aufmerksamkeit verdient, sind Schmerzen beim Sex.

Durch hormonelle Veränderungen können sich die Schleimhäute im Genitalbereich verändern. Trockenheit, Brennen oder Schmerzen bei Penetration können auftreten.

Das ist ein körperliches Thema, das medizinisch abgeklärt werden kann und sollte, wenn es dich betrifft.


Aber:

Du musst Schmerzen nicht einfach aushalten, nur weil du in der Perimenopause bist.

Und du musst Sexualität auch nicht auf Penetration reduzieren.

Sex kann viele Formen haben.

Berührung, Masturbation, Oralverkehr, gegenseitige Stimulation, Fantasie, Nähe und vieles mehr können Teil einer erfüllten Sexualität sein.

Deine Sexualität darf sich verändern.






Was kannst du für deine Lust tun?

Es gibt keine universelle „Libido-in-den-Wechseljahren“-Lösung.

Aber du kannst anfangen, deine Sexualität neu zu erforschen und du kannst dich aktiv über das Thema informieren und mit anderen Frauen in den empowernden Austuasch gehen! Wissen ist Macht und das Gefühl "ich bin nicht alleine" macht einen rießen Unterschied.




Foto: Tina Holmes


Ich erzähle an dieser Stelle gerne die Geschichte von Tina Holmes. Denn sie hat genau das gemacht und uns allen dadruch eine wunderbare Community erschaffen! Durch die eigene Wechseljahres-Erfahrung begann eine Auseinandersetzung mit ihrem Körper, hormonellen Veränderungen und sexueller Gesundheit. Mit zunehmendem Alter kam bei ihr die Frage auf, warum lustvolle, selbstbestimmte Sexualität gesellschaftlich oft als „Privileg der Jüngeren“ dargestellt wird. Daraus entstand der Wunsch nach einer neuen, positiven Erzählung über Sexualität in der Lebensmitte und darüber hinaus. Sie hat mit www.jetztkommeich.de eine Platform die Generation 40+ erschaffen in der genau dieser Austausch stattfinden kann. Schau gerne mal vorbei! Denn es gibt viel, dass du für deine Lust tun kannst!




1. Beobachte, was sich tatsächlich verändert hat

Nicht nur:„Ich habe weniger Lust.“

Sondern genauer:

  • Wann habe ich Lust?

  • Wann nicht?

  • Was macht mich neugierig?

  • Was fühlt sich körperlich gut an?

  • Was fühlt sich anders an als früher?

  • Was brauche ich, um mich zu entspannen?

  • Was brauche ich, um erregt zu werden?

  • Welche sexuellen Vorstellungen passen heute noch zu mir?

Je genauer du hinschaust, desto mehr lernst du über deine eigene Sexualität.


2. Nimm den Leistungsdruck heraus

Du musst nicht beweisen, dass deine Libido noch genauso funktioniert wie mit 25 oder 35.

Du musst nicht genauso oft Lust haben wie deine Partnerperson.

Und du musst auch nicht möglichst schnell wieder „die alte Version“ deiner Sexualität herstellen.

Sexualität ist kein Leistungstest.


3. Gib deinem Körper mehr Zeit

Wenn Erregung heute länger braucht, darfst du ihr mehr Zeit geben.

Mehr Berührung.

Mehr Aufmerksamkeit.

Mehr Entspannung.

Weniger Zielorientierung.

Nicht als neue Pflicht, sondern als Möglichkeit.


4. Erlaube dir neue Wege

Vielleicht verändert sich deine sexuelle Reaktion.

Dann darf sich auch deine Sexualität verändern.

Vielleicht entdeckst du neue Formen von Stimulation.

Vielleicht möchtest du Fantasien ausprobieren.

Vielleicht möchtest du mehr masturbieren.

Vielleicht möchtest du weniger.

Vielleicht möchtest du Sexualität mit einer Partnerperson ganz neu verhandeln.

Sexuelle Selbstbestimmung bedeutet auch, die Erlaubnis zu haben, Dinge neu zu entdecken.



Und was ist mit Hormonen?

Hormonelle Veränderungen können einen Einfluss auf Sexualität haben. Das sollte weder dramatisiert noch ignoriert werden.

Wenn du starke körperliche Beschwerden hast oder deutliche Veränderungen bemerkst, kann eine gynäkologische Beratung sinnvoll sein.

Aber eine umfassende Betrachtung deiner Sexualität geht darüber hinaus.

Die Frage ist nicht nur:

„Welche Hormone fehlen mir?“

Sondern auch:

„Was passiert gerade in meinem Körper, meinem Leben und meiner Sexualität?“

Und manchmal ist die Antwort eine Kombination aus mehreren Dingen.



Muss ich etwas gegen meine geringere Libido tun?

Nein.

Das ist vielleicht einer der wichtigsten Punkte.

Nicht jede Veränderung der Libido ist ein Problem.

Wenn du weniger Lust hast und damit vollkommen zufrieden bist, musst du nichts verändern.

Sexualität muss nicht maximiert werden.

Du musst nicht möglichst viel Sex haben.

Du musst auch nicht möglichst häufig zum Orgasmus kommen.

Problematisch wird eine Veränderung dann, wenn du selbst darunter leidest, Schmerzen hast oder dir etwas fehlt, das du gerne wiederfinden oder neu entwickeln möchtest.

Dann darfst du dir Unterstützung holen.



Wann kann Sexcoaching hilfreich sein?

Eine sexologische Beratung kann hilfreich sein, wenn du:

  • unter einer Veränderung deiner Libido leidest

  • Schwierigkeiten mit Erregung oder Orgasmus hast

  • Schmerzen beim Sex erlebst

  • dich in deinem Körper nicht mehr wohlfühlst

  • unsicher bist, welche Faktoren deine Sexualität beeinflussen

  • Konflikte mit einer Partnerperson rund um Sex erlebst

  • wieder mehr Zugang zu deiner Sexualität finden möchtest

  • deine Sexualität in dieser neuen Lebensphase bewusst neu entdecken möchtest



Dabei muss das Ziel nicht sein:„Ich will wieder genauso viel Lust haben wie früher.“

Vielleicht ist die viel spannendere Frage: „Wie möchte ich meine Sexualität in dieser Lebensphase erleben?“





Die (Peri-)Menopause ist nicht das Ende deiner Sexualität

Dein Körper verändert sich.

Das darf er.

Deine Sexualität darf sich ebenfalls verändern.

Vielleicht brauchst du heute andere Bedingungen für Lust und Erregung.

Vielleicht entdeckst du neue Seiten deiner Sexualität.

Vielleicht wird Sex sogar freier, weil du dich von Erwartungen verabschiedest, die dich lange begleitet haben.

Die Perimenopause ist kein Ablaufdatum für Lust.

Du bist nicht zu alt für Sex.Du bist nicht zu kompliziert für Lust.Und deine Sexualität muss nicht so bleiben, wie sie einmal war.

Sie darf sich weiterentwickeln.





FAQ: Perimenopause, Libido und Sexualität

Ist es normal, in der Perimenopause weniger Lust zu haben?

Veränderungen der Libido können in der Perimenopause vorkommen. Sie sind aber nicht zwangsläufig und nicht bei allen Menschen gleich. Wenn dich die Veränderung belastet, lohnt es sich, die verschiedenen körperlichen, psychischen, sexuellen und relationalen Faktoren genauer anzuschauen.

Kann die Perimenopause meinen Orgasmus verändern?

Ja. Manche Menschen bemerken Veränderungen bei Erregung, Empfindlichkeit oder Orgasmus. Das bedeutet nicht automatisch, dass die Fähigkeit zum Orgasmus verloren geht.

Ist Libidoverlust immer hormonell bedingt?

Nein. Hormone können eine Rolle spielen. Aber auch Schlaf, Stress, Medikamente, Schmerzen, psychische Faktoren, Beziehung, Körperbild und sexuelle Gewohnheiten können die Libido beeinflussen.

Muss ich weniger Lust in der Perimenopause einfach akzeptieren?

Du musst nichts verändern, wenn du mit deiner Sexualität zufrieden bist. Wenn dich die Veränderung aber belastet oder dir etwas fehlt, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Situation genauer zu verstehen und etwas zu verändern.

Warum tut Sex in der Perimenopause manchmal weh?

Hormonelle Veränderungen können unter anderem zu Trockenheit und Veränderungen der Schleimhäute führen. Schmerzen beim Sex sollten nicht einfach ausgehalten werden. Eine medizinische Abklärung kann sinnvoll sein. Nur "mehr Gleitgel" ist nicht die Lösung!

Kann Sex in der Perimenopause wieder besser werden?

Ja. Sexualität kann sich verändern und gleichzeitig erfüllend bleiben oder wieder erfüllender werden. Häufig geht es nicht darum, einen früheren Zustand exakt wiederherzustellen, sondern herauszufinden, was dein Körper und deine Sexualität heute brauchen.



 
 
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